
Die Landjugend Rheinland-Nassau und die Landjugend RheinhessenPfalz vertreten gemein-sam die Interessen junger Menschen im ländlichen Raum sowie von Junglandwirt*innen und Jungwinzer*innen. Trotz unterschiedlicher regionaler Schwerpunkte eint uns das Ziel, Rhein-land-Pfalz zukunftsfähig, lebenswert und gerecht für kommende Generationen zu gestalten. Eine starke und wettbewerbsfähige Agrarwirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Berei-chen ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, erzielt eine hohe Wertschöpfung und sichert Arbeits-plätze im ländlichen Raum. Aufgrund der Marktorientierung landwirtschaftlicher Betriebe muss es Ziel der Agrarpolitik sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, mit deren Hilfe junge Land-wirt*innen und Winzer*innen ihr Unternehmen planungssicher wettbewerbs- und zukunftsfähig ausrichten können. Die folgenden gemeinsamen Forderungen bündeln unsere Positionen und richten sich an die Parteien zur Landtagswahl 2026. Diese Forderungen wurden den Parteien zugeschickt und werden auch als Grundlage für unsere Podiumsdiskussion dienen.
1. Landwirtschaft und Weinbau: Planungssicherheit, Wertschöpfung und Zukunftsfähigkeit
Landwirtschaft und Weinbau sind tragende Säulen des ländlichen Raums in Rheinland-Pfalz. Sie sichern Arbeitsplätze, prägen Kulturlandschaften und leisten einen unverzichtbaren Bei-trag zur regionalen Versorgung. Junge Landwirt*innen und Winzer*innen stehen jedoch vor enormen Herausforderungen: volatile Märkte, steigende Auflagen, hohe Investitionskosten und ein zunehmender gesellschaftlicher Erwartungsdruck. Politische Rahmenbedingungen müssen diesen Realitäten gerecht werden. Wer Investitionen auf Jahrzehnte erwartet, muss Verlässlichkeit bieten. Gleichzeitig braucht es faire Marktstrukturen, die es Betrieben ermögli-chen, wirtschaftlich tragfähig zu arbeiten und Innovationen umzusetzen.
Unsere Forderungen:
• Langfristige Planungssicherheit für Junglandwirt*innen und Jungwinzer*innen schaffen, insbesondere für Investitionen, Hofübernahmen und Generationswechsel.
• Regionale Wertschöpfung stärken und die Nachfrage nach regional erzeugten Lebensmitteln gezielt fördern. Die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels begrenzen.
• Förderprogramme für Hofübernahmen, Investitionen und Existenzgründungen unbüro-kratisch, breit zugänglich und verlässlich ausgestalten.2
• Bürokratie und Dokumentationspflichten spürbar reduzieren sowie Kontrollen vereinfachen und vereinheitlichen.
• Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen wissenschaftlich fundiert, verursachergerecht und wirtschaftlich tragfähig umsetzen.
• Digitalisierung und Smart Farming als Chance nutzen und dabei die Datenhoheit der Landwirt*innen sichern.
• Flächenverbrauch konsequent reduzieren und erneuerbare Energien vorrangig auf Dä-chern und versiegelten Flächen ausbauen.
• Die Qualität der Ausbildung in Landwirtschaft und Weinbau durch moderne Berufs- und Fachschulen, aktuelle Lehrpläne und ausreichend Fachpersonal sichern und stärken.
• Die psychische Gesundheit von Landwirt*innen stärker in den Fokus nehmen und Beratungs- und Unterstützungsangebote ausbauen.
2. Ländlicher Raum: Lebensqualität, Daseinsvorsorge und Bleibeperspektiven
Der ländliche Raum ist für viele junge Menschen Heimat und Zukunft zugleich. Daseinsvor-sorge, Mobilität, Wohnraum, kulturelle Angebote und digitale Infrastruktur entscheiden über Attraktivität und Teilhabe. Das Land muss die Jugendverbandsarbeit und alle regionalen Ver-eine als zentrale Pfeiler der Dorfgemeinschaft anerkennen. Hierfür sind gezielte Anreize und verlässliche, unbürokratische Fördermittel für ehrenamtliches Engagement zu schaffen, um die Bleibeperspektiven und die Lebensqualität im ländlichen Raum nachhaltig zu erhöhen.
Unsere Forderungen:
• Gleichwertige Lebensverhältnisse durch verlässliche Versorgung im ländlichen Raum sicherstellen.
• Ärztliche Versorgung, Krankenhäuser und Geburtshilfe als Teil der öffentlichen Grundversorgung im ländlichen Raum erhalten und zukunftsfest ausstatten.
• Bezahlbaren Wohnraum fördern sowie Altbausanierung und Umnutzung leerstehen-der Gebäude erleichtern.
• Kulturelle Angebote, Vereine und ehrenamtliche Strukturen als soziale Anker gezielt stärken.
• Mobilität im ländlichen Raum verbessern – durch einen taktstarken ÖPNV, digitale On-Demand-Angebote, barrierefreie Infrastruktur, sowie den Ausbau sicherer Rad-wege.
• Flächendeckend schnelles Internet und ein stabiles Mobilfunknetz als digitale Da-seinsvorsorge gewährleisten.
3. Jugendpolitik: Teilhabe, Ehrenamt und demokratische Resilienz
Jugendpolitik ist Zukunftspolitik. Junge Menschen engagieren sich in Vereinen, Verbänden und Ehrenämtern, übernehmen Verantwortung und stärken demokratische Strukturen – häufig unter schwierigen Bedingungen. Gleichzeitig nehmen politische Radikalisierung, Desinforma-tion und gesellschaftliche Spaltung zu. Eine starke Demokratie braucht eine starke, gut aus-gestattete Jugendarbeit und echte Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen.
Unsere Forderungen:
• Jugendverbandsarbeit und Ehrenamt als unverzichtbare Säulen der Demokratie anerkennen und langfristig, verlässlich und inflationsfest finanzieren.
• Bürokratische Hürden und Haftungsrisiken für ehrenamtliches Engagement abbauen.
• Außerschulische Bildung sowie nonformales und informelles Lernen gleichwertig zur formalen Bildung anerkennen.
• Verbindliche, wirksame und frühzeitige Jugendbeteiligung auf kommunaler und Lan-desebene ausbauen.
• Politische Bildung und Extremismusprävention dauerhaft stärken und strukturell absichern.
• Medienkompetenz und digitalen Jugendschutz zur verbindlichen Aufgabe machen und diese gemeinsam mit Schulen, Eltern und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen konse-quent verankern.
4. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz: Chancen nutzen, Risiken begrenzen
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern Alltag, Arbeitswelt, Verwaltung und Bil-dung in rasantem Tempo. Für junge Menschen, Betriebe und Ehrenamtliche bieten sie große Chancen – gleichzeitig entstehen neue Risiken durch Abhängigkeiten, Intransparenz, Desin-formation und ungleiche Zugänge. Politik darf diese Entwicklungen nicht nur begleiten, son-dern muss sie aktiv und verantwortungsvoll gestalten.
Unsere Forderungen:
• Digitalisierung als staatliche Daseinsvorsorge begreifen und Verwaltungsprozesse verständlich, barrierefrei und alltagstauglich digital gestalten.
• Künstliche Intelligenz aktiv gestalten, statt nur zu reagieren – mit klaren Leitplanken für ihren Einsatz in Schule, Verwaltung und Arbeitswelt.
• Junge Menschen wirksam vor Desinformation, Überwachung und Missbrauch digitaler Technologien schützen.
• Eine landesweite Medienschutz-Offensive, die besonders auch bildungsferne oder zeitlich stark belastete Eltern erreicht – etwa durch mehrsprachige Materialien, Online-Kursen oder mobile Beratungsangebote.
• Chancengerechten Zugang zu digitalen Angeboten sicherstellen und niemanden von gesellschaftlicher Teilhabe ausschließen.

