AgriAdventure Camp in Bad Kreuznach

Grüne Berufe aus nächster Nähe erlebt

Collage mit Fotos aus dem AgriAdventure Camp aus verschiedenen Betrieben

Das AgriAdventure Camp ermöglichte Jugendlichen drei Tage lang realistische Einblicke in Landwirtschaft, Weinbau, Forstwirtschaft, Pferdewirtschaft und Gartenbau

Wie sieht der Arbeitsalltag auf einem modernen Milchviehbetrieb aus? Welche Aufgaben übernimmt ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen? Und was müssen junge Menschen mitbringen, wenn sie eine Ausbildung in einem Grünen Beruf beginnen möchten? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die TeilnehmerInnen des AgriAdventure Camps vom 29. bis 31. Juli 2026. Steven Schröder, Bundesjugendreferent der Landjugend Rheinland-Nassau begleitete das dreitägige Seminar. Unterstützt wurde er von Daniela Müller von der Volkstanzgruppe Zerf, die hauptberuflich als Schulsozialarbeiterin junge Menschen in ihrer Entwicklung und Integration unterstützt.

Drei extrem sommerliche Tage lang waren die Jugendlichen von der DEULA Bad Kreuznach aus in der Region unterwegs. Ziel des Camps war es, berufliche Orientierung nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern die unterschiedlichen Tätigkeiten direkt auf Betrieben und im Gespräch mit Menschen aus der Praxis erlebbar zu machen.

Zum Auftakt stellte Fabian Schüller von der Passgenauen Besetzung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Landjugend Rheinland-Nassau die Vielfalt der Grünen Berufe und deren Ausbildungswege vor. Das Beratungsangebot unterstützt Jugendliche und Betriebe dabei, passende Ausbildungs- und Praktikumsplätze zu finden. Daneben beschäftigten sich die TeilnehmerInnen während des Camps mit den Erwartungen von Ausbildungsbetrieben, ihren eigenen Stärken und der Frage, welche Arbeitsbedingungen und Tätigkeiten zu ihnen passen.

Collage aus drei Bildern aus dem Forstamt Soonwald. Zeigen Teilnehmer und Forstwirte im Wald.

Der Fokus des Seminares lag jedoch klar auf Betriebsbesuchen. Die erste Station führte zum Forstamt Soonwald in Entenpfuhl. Das Forstamt ist nicht nur für die Bewirtschaftung und Pflege des Waldes zuständig, sondern auch Ausbildungsbetrieb für angehende ForstwirtInnen. Die Jugendlichen erhielten durch Pascal Zimmermann und zwei Auszubildenden Einblicke in die vielfältigen Aufgaben der modernen Forstwirtschaft. Die Kommunikation und Arbeit im Team wurde besonders bei der Fällung eines Baumes deutlich. Vor allem bei solchen gefährlichen Tätigkeiten muss sich jeder auf seine Kollegen verlassen können und den Überblick über die Situation behalten.

Collage aus 4 Fotos vom Milchviehbetrieb Lindenhof in Bockenau

Anschließend besuchte die Gruppe den Lindenhof der Familie Essich in Bockenau. Auf dem modernen Milchviehbetrieb leben rund 430 Milchkühe in modernen Stallanlagen. Futtermittel produziert der Betrieb ebenfalls zum großen Teil selbst. Vor Ort konnten die TeilnehmerInnen erleben, wie Tierhaltung, Pflanzenbau, Technik und Betriebsmanagement ineinandergreifen und wie anspruchsvoll die Arbeit auf einem großen landwirtschaftlichen Betrieb ist. Daher ist es besonders wichtig, selbstständig und lösungsorientiert zu arbeiten.

Collage aus drei Fotos vom Weingut Forster. Zu sehen sind Vinothek, Keller und Wingert

Beim Weingut Forster in Rümmelsheim stand der Beruf des Winzers bzw. der Winzerin im Mittelpunkt. Die Familie betreibt bereits seit acht Generationen Weinbau an der Nahe und arbeitet seit 1994 nach den Richtlinien des ökologischen Weinbaus. Die Jugendlichen lernten dabei nicht nur die Arbeit im Weinberg kennen, sondern erfuhren von Georg Forster auch, wie viel Fachwissen, Technik und unternehmerisches Denken von der Pflege der Reben bis zum fertigen Wein notwendig sind. Marketing und Umgang mit Kunden seien essenziell für den Erfolg.

Collage aus vier Fotos, zwei zeigen die Hallen des Lohnunternehmens Bernhard, zwei zeigen Pferde auf dem Gestüt Eidam und Partner

Technikfreunde und Schrauber kamen bei der nächsten Station auf ihre Kosten beim Lohnunternehmen Bernhard auf dem Lindenhof in Frei-Laubersheim. Der Betrieb arbeitet als Dienstleister unter anderem für Landwirtschaft, Weinbau, Forstwirtschaft, Kommunen und Industrie. Sebastian Bernhard führte die Gruppe über das Gelände, wo u.a. Landmaschinenmechaniker und Fachkräfte Agrarservice beschäftigt sind. Die großen Maschinen sorgten erwartungsgemäß für Interesse, gleichzeitig wurde deutlich, dass der Umgang mit moderner Technik Verantwortung, Fachkenntnis und eine sorgfältige Arbeitsweise verlangt. Im Gegensatz zum regulären Landwirtschaftsbetrieb ist die Akquise von und der Kontakt zu Kunden Teil des täglichen Geschäfts. Gerade die hohen Kosten für den großen Fuhrpark an Maschinen machen es erforderlich, jede Maschine auch bestmöglich auszulasten und ständig im Einsatz zu haben. Defekte Maschinen müssen schnellstmöglich wieder funktionieren und für den Kunden fahren können.

Danach waren die Tierliebhaber dran. Auf der Reitsportanlage Eidam & Partner in Erbes-Büdesheim erhielten die Jugendlichen Einblicke in die Pferdewirtschaft. Der Dressurausbildungs- und Turnierstall beschäftigt sich unter anderem mit Ausbildung und Haltung von Pferden sowie deren Vorbereitung auf den Sport. Bruno Eidam und eine Auszubildene im ersten Lehrjahr erläuterten den typischen Tagesablauf und anfallende Tätigkeiten eines Pferdewirtes. Dabei wurde deutlich, dass die Arbeit mit Pferden weit mehr bedeutet als Reiten: Tierwohl, Pflege, Fütterung, Bewegung, Beobachtung und ein hohes Maß an Zuverlässigkeit gehören täglich dazu. Die Tiere müssen täglich und rund um die Uhr betreut werden. Flexibilität und Belastbarkeit sind daher unabdingbar.

Collage aus vier Fotos, zwei zeigen Gartenanlagen, zwei zeigen Hallen der Deula

Die letzte Betriebsstation führte zum Garten- und Landschaftsbaubetrieb Gartenform Thomas Georg in Ingelheim. Dieser besteht seit mehr als 30 Jahren und verbindet Kreativität, handwerkliche Arbeit mit Planung, Gestaltung und Pflanzenkenntnis. Von Natursteinmauern und Bodenbelägen bis zu Pflanzungen und der Umgestaltung kompletter Gärten reicht das Arbeitsspektrum, aber auch Tiefbau- und Kanalarbeiten sind durchaus typische Aufträge. Thomas Georg fuhr mit den Jugendlichen zu zwei seiner Kunden, die freundlicherweise einverstanden waren, ihre Gartenanlagen zu besichtigen. Hier wurde auch deutlich, dass eine gewisse körperliche Belastbarkeit gegeben sein muss. Nicht nur muss man bei Wind und Wetter draußen arbeiten, oftmals sind Gärten auch nicht ohne Weiteres mit großen Maschinen erreich- und befahrbar, so dass auch mal Material getragen werden muss. Die fachliche Beratung von Kunden wird dabei in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger, um zu gewährleisten, dass die richtigen Pflanzen gepflanzt werden, die auch bei Hitze und Trockenheit überleben.

Zum Abschluss öffnete auch die DEULA Bad Kreuznach ihre Hallen und Ausbildungsbereiche. Die Bildungseinrichtung übernimmt unter anderem Teile der technischen und überbetrieblichen Ausbildung von angehenden LandwirtInnen, WinzerInnen und GärtnerInnen. Hierfür ist sie stets mit den modernsten Maschinen und Werkzeugen ausgestattet. In Lehrgängen können Auszubildende hier dann lernen, die neueste Technik zu bedienen, die der eigene Ausbildungsbetrieb noch nicht im Einsatz hat. Richard Baumjohann führte durch die einzelnen Hallen, erklärte die dort vorhanden Anlagen und Maschinen und den Ablauf von Lehrgängen. Wer einen der genannten Berufe ergreifen sollte, war also nicht zum letzten Mal auf der Deula in Bad Kreuznach.

Die Abende wurden durch Team- und Kooperationsspiele unterhaltsam gestaltet. Außerdem wurde als kleines Rahmenprogramm der Alpakahof NaturNahe der Familie Fischer besucht, der unweit der Deula liegt. Hier konnte auf Tuchfühlung mit Alpakas und Eseln gegangen werden, die sich nur zu gerne von den Jugendlichen streicheln und füttern ließen.

Das AgriAdventure Camp zeigte, dass Berufsorientierung besonders dann funktioniert, wenn Jugendliche selbst sehen, fragen und ausprobieren können. Ein großer Dank gilt deshalb allen beteiligten Betrieben und Einrichtungen, die sich Zeit genommen, ihre Türen geöffnet und ehrliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag ermöglicht haben: dem Forstamt Soonwald, dem Lindenhof der Familie Essich, dem Weingut Forster, dem Lohnunternehmen Bernhard, der Reitsportanlage Eidam & Partner, Gartenform Thomas Georg, der DEULA Bad Kreuznach sowie der Passgenauen Besetzung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.