Bundesentscheid im Berufswettbewerb

Die Sieger stehen fest

Fotos © Sophie Thiel und Jana Knofe

Im Bundesentscheid war knifflige Berufstheorie genauso gefragt wie erneuerbare Energiequellen oder europäische Hauptstädte. Wer da Bescheid wusste, war beim Finale vorn dabei. Aber natürlich mussten sich die bundesweit besten angehenden Nachwuchskräfte aus Weinbau, Haus- und Forstwirtschaft, Tier- und Landwirtschaft vor allem in der Berufspraxis messen. Insgesamt hatten sich 107 junge Frauen und Männer aus der grünen Berufsbranche für den Bundesentscheid qualifiziert. Nach einem spannenden Wettkampf in Echem (Niedersachsen) und Essenheim (Rheinland-Pfalz) stehen seit Donnerstagabend die Sieger:innen fest.

Landwirtschaft I

Genau 20 Auszubildende traten in der Sparte Landwirtschaft, Leistungsgruppe I, an. Ging es im schriftlichen Teil um anzeigepflichtige Tierkrankheiten und Stoppelmanagement, mussten sie im praktischen Wettbewerb beispielsweise einen Getreideschlag auf Schädlinge sowie Krankheiten kontrollieren und bewerten, wie gut die Tiere in Echem im Stall gehalten werden. Eine Junglandwirtin konnte das am besten. In der Reihenfolge der Nennung gewannen Rebekka Niers, Cornelius von Eller-Eberstein (beide Niedersachsen) gefolgt von Jasmina Neumann aus Sachsen-Anhalt.

Landwirtschaft II

Die Leistungsgruppe II (Landwirte in Fortbildung) trat im Doppel an. Ging es in der Präsentation darum, ob sich die Betriebsumstellung von konventioneller auf ökologische Bewirtschaftungsweise für den eigenen Betrieb lohnt, mussten sie im praktischen Wettbewerb zum Beispiel Auszubildende anleiten oder die Milchkühe eines Landwirts versorgen, der plötzlich ausgefallen war. Im Finale starteten zwölf Teams. Wie beim vorigen Finale (2019) holte Hessen mit Michael Wicke und Simon Trieschmann den Titel. Jonas Dörner und Thomas Schmidt aus Bayern verwiesen Joss Legtenborg und Jannik Richter auf den 3. Platz.

Forstwirtschaft

Ging es in der Forstwirtschaft u.a. um die Waldsanierung nach Borkenkäferbefall, mussten die 25 Finalisten im praktischen Wettbewerb zeigen, wie gut sie mit der Motorsäge umgehen können: Für das zielgenaue Fällen eines Baumes hatten sie eine Minute Zeit, für das stammebene Entasten 40 Sekunden. Sie pflanzten Ahornbäume und bauten in nur einer Stunde einen Fledermauskasten. Robert Hölz siegte vor Moritz Bürker (beide Baden-Württemberg) und Cedrik Janke aus Mecklenburg-Vorpommern.

Weinbau I

Die zehn Jungwinzer und sechs Jungwinzerinnen, die in der Leistungsklasse 1 antraten, beschäftigten sich in Essenheim u.a. mit Weinbergbegrünung, Pflanzennährstoffen und Bodenerosionen in Folge des Klimawandels. Sie bewiesen auf dem Weingut Braunewell auch, dass sie einen neuen Weinberg anpflanzen und einen halbtrockenen Weißweincuvée herstellen können. Nach der Lösung aller Aufgaben setzte sich Viktor Rapp vor Antonia Wilker (Silber) und Maximilian Machmer (alle Rheinland-Pfalz) durch.

Weinbau II

In der Leistungsgruppe II gingen in dieser Sparte sechs junge Winzer und eine Winzerin an den Start. Während des Finales waren ihre Kenntnisse zur Weinabfüllung und Eindämmung der Rebkrankheit ESCA gefragt. Sie mussten aber auch den Zustand der Reben und des Weinberges analysieren, um den geeigneten Pflanzenschutz zu ermitteln. In einer anderen Aufgabe beurteilten sie blind fünf Weine. Typische Aromen mussten benannt, Fehler und Krankheiten erkannt, Entstehungsursachen und Behandlungsoptionen aufgezeigt werden. Als Sieger gingen Sebastian Maak (Gold), Quirin Ewen (beide Rheinland-Pfalz) und als Dritter Jonas Stockinger (Baden-Württemberg) aus dem Berufswettbewerb hervor.

Eins ist sicher: Wer beim Berufswettbewerb dabei ist, gewinnt. Er hat dem grünen Berufsnachwuchs nicht nur neues Wissen und Selbstbewusstsein gebracht, sondern auch ein Netzwerk, mit dem sich die Herausforderungen der Zukunft besser meistern lassen. Gemeinsam zeigten die angehenden Forst- und Tierwirt:innen, die Winzer:innen, Land- und Hauswirtschafter:innen, wie vielseitig, anspruchsvoll und smart diese Berufe sind.

„Das Leistungsniveau beim Bundesentscheid war enorm. Viel beeindruckender für mich war der Zusammenhalt, der fachliche Austausch und das Miteinander bei diesem Wettbewerb“, lobt die BDL-Bundesvorsitzende Theresa Schmidt die fitten Nachwuchskräfte. Sie bedankt sich bei allen, die den Berufswettbewerb 2023 ermöglicht und das Wettbewerbsmotto „Grüne Berufe sind voller Leben. Mit Herz und Hand – smart fürs Land“ zum Leben erweckt haben. „Nie hatten wir smartere Aufgaben“, sagt sie und verweist auf Aufgaben wie das Parallelfahrsystem oder die am Melkroboter.

Der Berufswettbewerb der deutschen Landjugend wird seit 1953 aller zwei Jahre veranstaltet, musste 2021 aufgrund der Pandemie erstmals aussetzen. Er zählt zu den größten grünen Fort- und Weiterbildungsprojekten Europas und wird vom Deutschen Bauernverband und dem BDL mit ihren Landesverbänden sowie der Schorlemer Stiftung ausgerichtet. Vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie der Landwirtschaftlichen Rentenbank gefördert, lenkt der Wettstreit den Blick der Öffentlichkeit auf die Grünen Berufe und die ländlichen Räume. Schirmherr ist Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, der die grünen Stars in der kommenden Woche auf dem Deutschen Bauerntag ehren will.

Bilder und mehr zum Berufswettbewerb 2023 gibt es unter www.landjugend.de.